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^ r^ 4,. /o

HARVARD UNIVERSITY.

LIBRARY OF THE

Classical Department,

HARVARD HALL.

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o

GESCHICHTE UND TOPuöRAPHIE

DER

STADT ROM IM ALTERTUM.

VON

Da OTTO ^BERT

CCSTOa DBB DHIT.-BIBUOTHBK UBD DOCBKT FOB ALTB 0B6CHICHTB ZV OÖTTIBOBIC.

ERSTE ABTEILUNG.

X LEIPZIG,

DRUCK UND VEBLAO VON B. G. TEUBNEE.

1883.

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Classieal üfoa,i:ncr,t,

ffUNd^ JULI912

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Inhalt.

Kapitel 1. Die YoraussetzuDgen der Stadtbildung^ Roms . . t

Kapitel 2. ^-^ •. Die Dörfer des Westpalatinus

Kapitel 3. Tyie palatinische Stadt 04

Kapitel 4. Das Septimontium iCi:

Kapitel 5. Die ramniach-titiBche Doppelstadt . . 2U

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I

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Erstes Kapitel. Die Voranssetzungeii der Stadtbildung Roms.

Die Ebene von Latium ist eine yerhältnismäfsig junge Bil- dung: sie ist ursprünglich vom Meer bedeckt gewesen, aus dem nur einzelne Höhen wie Inseln und RiflFe hervorgeragt haben mogen.^) Vulkanische Kräfte haben die Ebene geschaffen: denn ihnen verdanken Land^ Gebirge und Seeen, sowie die ganze eigen- tOmlich gestaltete Oberfläche ihre Entstehung. Zunächst waren es Vulkane, welche über die noch vom Meere bedeckte Ebene eine mächtige Schicht vulkanischen Tuffs ergossen, der, alle Teile des weiten Gebiets in fast gleichem Mafse überflutend, wie eine schützende Decke sich über dieselben gelagert hat.*) Weiter

1) Vgl. G. Brocchi dello stato fisico del suolo di Borna. Roma 1820, namentlich die parte seconda dieses Bachs della fisica costituzione del raolo S. 82 ff. Sodann die zahlreichen Arbeiten Gins. Ponads, namentlich sullo Btato fisico del suolo di B,oma, Giom. Are. 1868, Bd. 155, S. 28 49; sto- ria naturale del Lazio, Giom. Are. 1859. Bd. 158. S. 104—143. Storia fisica dell' Italia centrale, Atti della r. accad. dei Lincei 1870—71. Bd. 24. S. 191—224. Femer G. vom Bath Zeitschr. d. d. geolog. Gesellsch. Bd. 18. 1866. S. 487—642. Endlich v. Moltke Wanderbuch. Berlin 1879. S. 31—65, den ich um so lieber hier nenne, als seine Darstellung eine im besten Sinne populäre Beschreibung der geologischen Vorgänge giebt, welche die lati- nische Ebene geschaffen haben. Aufserdem sei hier für diese und alle fol- genden Fragen ein für allemal die vom Ministero di agricoltura industria e commercio für die Pariser Ausstellung 1878 publizierte Monografia della citt^ di Roma e della Campagna Romana; vol. 1 und 2, sowie Appendice ond Atlas. Roma 1881 genannt: ein Werk, welches eine grofse Fülle von Material und Litteratur zusammenfafst.

2) über das Emptionsgebiet dieses Tufis vgl. vom Rath a. 0. S. 498: „Werfen wir diese Frage (nach der Ausbruchsstelle des Tufis) für die un- geheure Masse des römischen Tuffs auf, welche einen Raum von etwa zwan- zig deutschen Quadratmeilen in einer mittleren Mächtigkeit von weit über 100 Fuls bedeckt, so können wir deren ürsprungsstätte nur in den vulka- nischen Bergen um den ciminischen und sabatinischen See finden**.

Oilberi, Getoh. n. Topogr. Komi. 1

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rend nun vulkanische Senkungen im W. und SW. die Seeen von Albano und Nemi schaffen ^), ergiefsen sich aus den mächtigen Kratern des Gebirges Flüsse von Lava, Ströme von Aschenregen über die Abhänge herab und in die Ebene der Campagna hinein und führen so neue Elemente der Bildung dem Boden zu. Denn während noch heute mehrere alte Lavaströme erkennbar sind*), die vom Monte Cavo herab ihren Weg in die Ebene genommen haben, sind es aufser diesen harten erstarrten Lavamassen nament- lich die beiden Bildungen des Sperone^) und Peperino*), die als

jünger sind als diejenigen, welche die Ebene mit der Tuffschicht überzogen haben, erkennt man namentlich daran, dafs die Produkte jener in dünnen Straten die Tuffe überlagern.

1) Andere Eraterseeen sind der lacus Gabinus, Eegillns etc.: vgl. vom Rath a. 0. 616 ff.

2) Über die Lavaströme vgl. vom Rath a. 0. S. 682 ff. Auf Rom zu haben sich zwei Ströme ergossen, deren einer 1*/, Miglie südöstlich vor der Porta S. Sebastiano, der andere 4 Miglien südlich vor Porta S. Paolo sein Ende findet; beide haben aber einen gemeinsamen Ursprung westlich vom Albanersee: auf dem Walle des ersteren Stromes läuft eine Strecke der Via Appia. Vgl. die Karte, welche vom Rath seiner Abhandlung bei- gefügt hat. Über die Bestandteile dieser kurz als Basalt bezeichneten Lava- massen vgl. vom Rath a. 0. Diese Lava ist hart und tönend und hat eine bläulich- schwarze Farbe: sie wurde besonders zu Strafsenpflasteningen ver- wandt. Moltke a. 0. S. 40.

3) Vom Rath a. 0. 624 ff.: „Die Lava Sperone stellt eine poröse, leichte, bei dem ersten oberflächlichen Blicke fast dicht erscheinende Masse dar von bräunlich- oder gelblich-grauer Farbe". „Der Sperone erscheint in mächtigen bankartigen Massen gelagert und bildet wesentlich den tuscula- nischen Höhenzug und vielleicht die Hauptmasse des ganzen Gebirges. An seiner Oberfläche geht der Sperone allmählich in zusammengebackene Schlackenconglomerate, dann in lockere Schlacken und Aschen über, welche Schichten bilden, wie dieselben einen Niederfall aus der Luft beweisen. Diese Massen, teils von roter und brauner, teils von schwarzer Erde, schlie- fsen durch ihre Lagerung und un verbundene Beschaffenheit im Vergleiche mit dem römischen Tuffe eine marine Bildung aus. Aus diesen lockeren Tuffen besteht der centrale Krater mit dem M. Cavo, der grölsere Teil der Valle di Molara, sowie der ganze peripherische Ringp^all. Die Schlacken und Aschenmassen bedecken in einem weiten Umkreise das Land und ver- breiten sich in stets dünneren, durch feiner zerteiltes Material gebildeten Straten bis weit in die Ebenen.**

4) Vom Rath a. 0. S. 639 ff.: „unter allen vulkanischen Gesteinen ist der Peperin das anfallendste und seltsamste; es ist in dieser Weise von keinem andern Punkte der Erde bisher bekannt geworden. Eine Breccie von meist lichtgrauer Farbe, welche zahllose Einschlüsse enthält, oft so dichtgedrängt, daOa das erdige Cement beinahe verschwindet. Die Ein-

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Produkte der Eruptionen des Albanergebirges nachweisbar^ in mehr oder weniger festen Gestaltungen grofse Teile des Gebirges selbst sowie der Ebene überdeckt haben. ^)

Als nun die Thätigkeit der Vulkane allmählich erlosch^, war die physische Gestaltung der Ebene abgeschlossen und mensch- licher Thatkraft ein Boden geschaflten, auf dem sie mit Erfolg wirken konnte. Das ist denn auch geschehen: in die neugeschaf- fene Ebene sind wer mochte auch nur eine Vermutung dar- über wagen, wieviele Jahrhunderte zwischen den mächtigen Erup- tionen des Albaner Kraters und der Besiedelung durch die ersten

Schlüsse sind teils wohlgebildete Erystallef teils Gesteinsblöcke, teils end- lich interessante Mineralaggregate**. „So verdankt der Peperin seine Ent- stehung vielfach wiederholten vulkanischen Auswürfen, deren Material in schlammähnlichen Massen sich um die Ausbruchsdffnungen lagerte und spä- ter erhärtete.** Er ist jüngeren Alters als der Lavabasalt, welchen er an vielen Stellen überdeckt, v. Moltke a. 0. 42 ff. Der Hauptfundort des Peperin ist der westliche und südwestliche Teil des Albanergebirges mit seinen Abhängen.

1) Die Alten bezeichnen den Sperone und Peperino mit den Namen lapis Albanns und Gabinns nach den Hauptsteinbrüchen und haben sich dieser Steinarten hauptsächlich in der Periode der Republik bedient.

2) Es ist eine Streitfrage, wann die Thätigkeit der Albaner Vulkane erloschen ist. De Bossi vertritt die Ansicht, dafs dieselbe noch bis in histo- rische Zeit fortgedauert hat: vgl. namentlich Ann. delF Inst. 1871, S. 239 279 und stützt sich dafür vor allem auf die sog. Hausumen, die mit einer Beihe anderer Gegenstände imd namentlich mit Libralassen, welche nicht über das Ende des 6. Jahrh. v. Chr. hinaufgerückt werden können, angeb- lich unter den Peperinstraten gefunden worden sind ; femer auf die wieder- holten Angaben von Erd- und Steinregen in historischer Zeit, welche er auf vulkanische Eruptionen -zurückführt. Was den letzteren Punkt betrifft, so erkennt mit Recht Jordan (ich eitlere so: Topographie der Stadt Rom im Altertum von H. Jordan), der 1, 1, 120 Anm. 5 eine Aufzählung dieses Prodigium giebt, die Erd- und Steinregeü nicht als Eruptionen an. Was aber die Fnnde in der Nekropolis von Albano betrifft, so handelt es sich dabei om eine Controverse, die namentlich in den Adunanze des Istituto vom 3., 10. und 24. Februar 1871 sehr lebhaft zwischen Rossi und Ponzi diskutiert (vgl. Bull, dell' Ist 1871. S. 34—63), aber nicht zum Austrag gebracht worden ist. Vgl. namentlich die letzte Abhandlung de Rossis hierüber in Gli Studi in Italia 1880. U, 73 ff. 216 ff. 481 ff., wo zugleich die früheren Arbeiten des Verfassers über diesen Gegenstand mitgeteilt werden. Für uns ist die ganze Frage von untergeordneter Bedeutung. Auf dem Gebiete der Stadt Rom kann man mit Wahrscheinlichkeit nur das solum fnmans des Tarentum auf dem Campus Martius (vgl. Kap. 6) und die Aquae lau- tolae (vgL Kap. 4) als vulkanische Erscheinungen geltend machen.

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Einwanderer Hegen*) Ansiedler vom Norden und vom Meere her eingezogen und haben in dem Ringen langer Generationen diesen beschränkten, von der Natur in keiner Weise bevorzugten Raum zu einer der wichtigsten Stellen, ja schliefslich zum Mittel- punkte der Welt gestaltet. Betrachten wir daher diese Ebene selbst noch etwas genauer.

Die Campagna, im grofsen und ganzen betrachtet eine Ebene, bietet dennoch eine nicht geringe Abwechslung. Die Anschwel- lungen und Senkungen des Tuflfbodens; die tief eingeschnittenen Betten von Bächen, die gewöhnlich aber versiegt sind, oder nur dürftig fliefsen; die eintönige und doch so warme Färbung der gewellten braunen Fläche; das weite Schweigen und die melan- cholische Einsamkeit des öden Landes, wie es sich heute dem Auge darbietet: alles dieses kommt zusammen, der Ebene ein sehr cha- rakteristisches Gepräge zu verleihen, welches zu allen Zeiten die Aufmerksamkeit des Künstlers, des Naturfreundes, des Geschichts- forschers* in gleicher Weise auf sich gelenkt hat. Die Anschwel- lungen des Bodens zu Hügeln sind nirgends bedeutend: kuppen- förmig ragen diese TuflFerhebungen durchschnittlich kaum 30 Meter aus der Ebene auf.

Diese Ebene, an und für sich betrachtet, enthält kein Mo- ment, welches geeignet wäre, ihr eine besondere Bedeutung zu verleihen: diese erhält sie erst durch den Flufs, welcher sie durch- strömt.*) Aus dem Appennin kommend, windet sich derselbe in vielfachen Schlangenlinien durch die Ebene hindurch und bahnt sich, durch vielfache Zuflüsse verstärkt, durch jene kuppenartigen Höhen seinen Weg, die rechts und links seine Ufer krönen. So gelangt der Flufs drei deutsche Meilen aufwärts von seiner heutigen Mündung zu einer Gruppe von Hügeln, die, der oben angegebenen Durchschnittshöhe von 30 Meter etwa ent-

1) Nach dem Fallen der Wasserhöhe begann die Vegetation ihr Leben und wir haben anzunehmen, dafs zwischen den Endpunkten des Zurücktretens der Gewässer und der ersten Einwanderungen menschlicher Bewohner ein reiches Pflanzenleben zu Wäldern und zu einer vollen Flora erwachsen war. Das hebt Ponzi Giorn. Are. 1868. Bd. 165 S. 46 hervor.

2) Über den Tiber im allgemeinen vgl. G. Ponzi storia geol. del Te- vero Giorn. Are. 1869. Bd. 164. S. 129—149. Das Buch von Molini il Te- vere Firenze 1879 kenne ich nicht; das von Smith the Tiber and its tri- butaries, London 1877 bietet wenig für unsern Zweck Branchbares.

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sprechend ')y wie ein zusammenhängendes System erscheinen, wel- ches die Natur planmälsig gestaltet und in seinen Einzelgliedem in enge Beziehung zu einander gebracht zu haben scheint. Der Fluls windet sich durch diese Gruppe hindurch, oder richtiger an ihr vorbei. Denn indem er zunächst eine groise Biegung nach Westen macht, in welche Bucht sich die unter dem Namen Cam- pos Martins bekannte Ebene hineinlegt, wendet er sich sodann wieder mehr nach SO. zurück, um zwischen Capitol, Palatin und Äyentin auf der einen, dem Janiculum auf der andern Seite sich hindurchzudrängen und dann, sein Thal erweiternd, dem Meere zuzuströmen. So lälst er die eigentlich zusammenhängende Gruppe des linken Ufers unberührt und scheidet dieselbe nur von dem langgedehnten Höhenzuge des rechten Ufers, welcher sich in grö- Iserer Höhe und mächtigerer Bildung der eng geeinten Gruppe des jenseitigen Ufers gegenüber lagert Diese Höhen des linken Ufers sind die eigentlichen Stadthüge^ Roms.

Nimmt man seinen Standpunkt auf dem capitolinischen Hügel ^, dem westlichsten der linkstiberinischen, so sieht man denselben allmählich gegen 0., genauer gegen SO., im Forum zu einer Ebene abfallen, welche sich in ziemlich derselben Richtung (nur entschiedener gegen 0. gewendet) bis zur Grenze der einstigen Seryiauischen Mauer und darüber hin ausdehnt und so die Stadt gleichsam in zwei Teile zerlegt: südlich den Palatinus und Cae- lius, nördlich den Quirinalis (nebst dem Viminalis) und den Es- quilinus lassend.^ Diese vier Hügel erscheinen wie vier schirmende

1) Höhenangaben finden sich bei Brocchi a. 0. S. 211 ff. Vgl. auch Jordan 1, 1, 132 ff. Für onsem Zweck genügt die allgemeine Angabe des Textes; über die Haopthdhen vgl. später betr. Orts.

2) Es ist dieser Orientiemngsstandpunkt der natürlichste: das mag Goettüng Gesch. der r. Staatsverf. 202 veranlaTst haben, in der Sacra Via den lim es decomanus der Gesamtstadt zu erblicken, eine Ansicht, die Nissen Tempi. S. S6 zu der seinen gemacht hat. Vgl darüber Kap. S. Oute Bemerkungen über Lage, Bildung etc. der Stadthügel giebt L. v. Buch geognost. Beobachtungen 2, 36ffl

3) Bei diesen und allen folgenden choro- und topographischen Aus- fahrongen setie ich die Vorlage einer der vielen neueren H. Kiepertschen Karten des alten Rom voraus. Zur Vergleichung wird auch vielfach ein Plan des modernen Rom nützlich sein: ich verweise in dieser Beziehung auf Pianta topographica della Direzione generale del Censo (1S66); am zugäng- lichsten und bequemsten wird sich der Bädekers Mittel-Italien und Rom (18S3) beigegebene gleichfalls auf H. Kiepert zurückgehende Plan der Stadt

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Bastionen, die zum Schutze der mittleren Ebene, je zwei auf jeder der beiden Seiten, errichtet worden sind: während der Aven- tin weiter stromabwärts dem Palatinus nach Süden sich gegen- über lagert und, am nächsten an den Flufs herantretend, wie zur Beherrschung desselben aufgeworfen scheint. Man kann den charakteristischen Unterschied der südlichen Hügel von den nörd- lichen dahin fixieren, dafs jene sämtlich steil und isoliert sind^), während diese, alle mit einander zusammenhängend, bedeutend weniger mächtig und imponierend dem Blicke entgegentreten. Enge Thäler scheiden den Palatinus vom Gaelius sowohl wie vom Aventinus, während auch diese letzteren beiden Hügel wieder durch eine Thalsenkung getrennt sind. Umgekehrt hängen die

erweisen. Beide Gesichtspunkte vereinigend, anf dem Piano der modernen Stadt zugleich die Reste der antiken wiedergebend, ist auTser andern : a plan of Borne ancient and modern by John Henry Parker C. B. (Oxford). [1881]. Für einzelne Teile wird später betr. Orts auf Spezialpläne hinge- wiesen werden. Eine besondere kritische Erörterung der neueren Stadt- plane die sich för unsern Zweck ausschliefst enthält Jordan 1, 1, 105 114: die daselbst im wesentlichen von H. Matzat herrührende Skizze betrachtet alle seit der Mitte des 16. Jahrh. bis zur Gegenwart er- schienenen Pläne und Karten, unter denen besonders der nach der Jor- danschen Skizze neu (von Lanciani) herausgegebene Plan Bufalinis zu nennen ist (la pianta di Roma di Leonardo Bufalini. Koma 1879): weil er eine höchst interessante und wichtige Darstellung der Stadt um die Mitte des 16. Jahrh. giebt. Die leider nur verhältnilsmälBig geringe Ausbeute ge- währenden Beste des auf die Zeit des Severus und Caracalla zurückgehen- den offiziellen Stadtplans citiere ich nach: Forma urbis Romae regionum Xnil edidit H. Jordan. Berlin 1873. Derselbe hat auch das neueste am 3. April 1882 gefundene Bruchstück veröffentlicht in: Ricardo Lepsius gra- tulatur Institutum archaeologicum Germanicum. Romae 1883. Was endlich die Regionarier betrifft, so citiere ich auch diese in der Ausgabe von H. Jordan, der in der erwähnten Forma p. 47 54 die zwischen 334 und 357 n. Chr. geschriebene Notitia und das jedenfalls vor 448 n. Chr. geschriebene Curiosum, welche beide auf eine zwischen 315 und 834 ge- schriebene ältere Zusammenstellung zurückgehen, vereinigt und so diese ältere Quelle wieder hergestellt hat, bei deren Wiedergabe die Zusätze der Notitia einer-, des Curiosum anderseits durch besondere Klammem kennt- lich gemacht werden.

1) Nur die Ostseite des Caelius verliert in etwas diesen Charakter, in- dem sie sich gleichfalls, wenn auch weniger als die Nordhügel, langsam und allmählich zur Ebene absenkt Und das hat Ponzi Giom. arc. 155, S. 44 und v. Moltke a. 0. S. 59 veranlafst den Capitolin, Palatin und Aven- tin in die eine, den Quirinal, Viminal, Esquilin und Caelius in die andere Kategorie zu rechnen.

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Nordhügel, wenigstens auf einer Seite, eng zusammen: sie wachsen gleichsam aus einer Wurzel heraus. Ihr gemeinsamer Rücken wird nämlich von einer Hochebene im 0. der Stadt gebildet, von der aus die Einzelhügel gegen W. und SW. vorstofsen. Am nördlichsten liegt der Quirinalis: er streckt sich von jenem ge- meinsamen Rücken aus nach SW., dreht aber seine Spitze mehr nach S., ja nach SO. um. Fast umgekehrt ist es mit der Haupt- masse des Esquilinus, die am weitesten südlich von der gemein- samen Hochebene auslaufend gerade gegen W. sich richtet, um ihre letzte Spitze mehr nach NW. umzubiegen. So treten sich die letzten Ausläufer des Quirinalis und Esquilinus gegenüber, um zwischen sich nur ein geringes Thal übrig zu lassen. Diesen beiden Hauptzügen des .Quirinalis und Esquilinus laufen zwei geringere Züge parallel, die, von jenen in die Mitte genom-. men, wie schwache Nachahmungen derselben erscheinen. Denn wie eine Wiederholung des Quirinals im kleinen verläuft der Vimi- nalis, während anderseits die geringere Masse des Esquilinus, die unter dem Sondernameu Cispius der älteren Zeit bekannt war, der Richtung nach gleichfalls der südlicheren Hauptmasse sich anschlielst und so wie eine wenn auch geringere Parallelbildung dieser auftritt. So erscheinen Oppius diesen Sondernamen trug die südliche Hauptmasse des Esquilinus und Cispius, Viminalis und Quirinalis wie vier Zungen, die in ihren letzten Spitzen gleichsam auf eine Stelle hinweisen: und diese Stelle ist eben das Thal, welches sich in beschränktem Umkreise unter und zwischen den vier Spitzen ausdehnt und im Altertum den Namen Subura trug. Diese beiden Systeme, das nördliche der in ihrer Wurzel zusammenhängenden Hügel und das südliche der isolierten Bergkuppen, treten sich gegenüber und lassen das in der Stadtbildung selbst von dem Forum und seiner östlichen Fort- setzung eingenommene Thal zwischen sich.

Um sich ein richtiges Bild von dem Terrain der Stadt im Altertum zu machen, mufs man festhalten, dafs dasselbe durch- gehend im Lauf der Zeit eine nicht unwesentliche Bodenerhöhung erfahren hat. Einmal sind Unebenheiten desselben, die einst vor- handen waren, beseitigt, planiert*); anderseits überhaupt die Ober-

1) Es ist mifc Spir. Aubert Roma e Tinondazione del Tevere in Giorn. Arcad. 1868. Bd. 211 S. 146 f. und M. St. de Rossi Atti d. acc. pontif. dei Lincei Anno 24. 1871 S. 364 ff. anzunehmen, dafs die Hügel durchgehend

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fläche darch Schuttmassen, welche sich über sie gelagert haben, in die Höhe gewachsen. Man kann annehmen, dafe überall durch- schnittlich diese Erhöhung circa 8 Meter bald mehr bald weniger beträgt: die Ausgrabungen auf dem Forum, dem Pa- latinus etc. haben den alten Boden erst in einer solchen, ja gröüseren Tiefe erreicht.^)

einen steileren Abfall gehabt haben, als sie sich heute dem Auge darbieten. Es kann das aber in der Hauptsache nur von den dem Tiber selbst zuge- kehrten Seiten gelten. An manchen Hügeln läfst sich diese im Laufe der Zeit teils unabsichtlich, teils absichtlich geschehene Veränderung noch nach- weisen: so die Ausfüllung des Thaleinschnitts auf dem Palatinus, die Um- gestaltung des Quirinalis durch Anlegung des Forum Trajanum, die Ab- schroffuDg des Esquilinus nach N. 0. etc.: über diese letztere vgl. Rossi jm Bull. d. commiss. arch. com. 6 S. 66; über jene vgl. £ap. 2 und 5.

1) Ich führe hierfür einige Beispiele an. Um das Jahr 1700 wurde zwischen Aventin und Tiber das Pflaster einer Strasse 32 palmi = c. 7 meter tief aufgedeckt (vgl. Crescimbeni stato della basil. di S. Maria in Cosmedin p. 34 bei Brocchi a. 0. S. 83); gleichfalls um 1700 zwischen Quirinal und Yiminal ein Pflaster c. 12 meter tief (vgl. Montfaucon diar. Ital. p. 195). Brocchi sagt (a. 0. 82 f.): la roccia del Palatino non si pu6 ravvisare in Villa Spada che a quaranta piä parigine (=» c. 12 meter) di profondita rimanendo sepolta sotto le rovine del palazzo de' Cesari. Qnanto il suolo sia alzato sulla cima di Aventino lo danno a divedere i sotterranei che sono entro alcune vigne rimpetto alla chiesa di S. Sabina ove si mostrano grandi archi interrati di antichi ediflzi. ün' immensa congerie di rovinacci e ac- cumulata sulla falda del. Pincio rivolta verso quelle del Quirinale. II piano del foro Bomano alla colonna di Foca h ben venticinqne piedi sotto quelle dell* odierno campo Vaccine e questa colonna medisima fu eretta sopra antiche rovine etc. Das Marsfeld ist seit der Eaiserzeit um 15 F. erhöht; das ausgegrabene Forum Trajani liegt gegen 20 F. tiefer als das jetzige Strassenpflaster; die Via Ostiensis an der Cestiuspyramide 12 F. unter dem Niveau der neuen Strafse. Moltke a. 0. S. 59 f. (So liegt auch die alte Via Gassia zwischen Rom und Foligno 3 m., die Via Aemilia bei Piombino 8 m. tief unter der Oberfläche: vom Rath a. 0. 506.) Das antike Strassen- pflaster unter S. Anastasia liegt 54 palmi (c. 12 meter) unter dem heutigen Niveau Bull. d. Inst. 1863 S. 113. Die neuesten Ausgrabungen auf der Via Nazionale erreichten erst 14 m. tief den antiken Boden: Bull. d. Comm. mun. 9. 1881 S. 197; andere bei der Villa Wolkonsky 7 m. tief (das. 199), andere zwischen S. Lorenzo und Porta Maggiore 10 m. tief (das. 203). Be- deutend geringere Tiefe des antiken Bodens ist gewöhnlich durch beson- dere Verhältnisse bedingt: so 3 m. (das. S. 205) (auf Bauten spätester Zeit stofsend), 2,50 m. (das. 6. 1878 S. 69), durch eine Niederlegung des Bodens schon in antiker Zeit erklärt etc. Instruktiv ist die Angabe, das. 8. 1880 S. 12, wonach die ältesten Grabmäler zwischen Minerva Medica und Porta Maggiore 9,75 m., die Golumbarien der Statilii ebendort 6,25 m., die Eaiser-

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Anderseits ist es allerdings sicher^ dafs auch das Flufsbett selbst gegen das Altertum sich nicht unbedeutend erhöht hat und man mag daher zunächst annehmen, dafs bei dieser Erhöhung des Bodens auf der einen , des Wasserspiegels auf der andern Seite das Wechselverhältnis beider sich nicht geändert habe. Denn dafs der Spiegel des Flusses sich erhöht hat, geht einmal aus dem Umstände hervor, dafs Terminalcippi des Tiberufers bedeu- tend tiefer gefunden sind, als die heutige Höhe des Tiberufers beträgt^); sodann aus dem aufgedeckten Boden des alten Empo- rium, welcher zeigt, dafs seit der Zeit Hadrians dieser Boden um circa 1 Meter sich erhöht hat^); femer aus der Thatsache dafs auch die unterirdischen Zuflüsse des Tiber ihr Bett gegen einst bedeutend erhöht haben, indem sie jetzt vielfach über dem alten Strafsenpflaster sich befinden'); endlich aus der Höhe des Aus- flusses der Gloaca maxima, welche ursprünglich über dem Spiegel des Wassers und nicht unter demselben gemündet haben mufs.*)

bauten endlich 2 3 m. unter dem beatigen Boden liegen. Andere Angaben siehe das. S. 163 (Esquilin 6 m.), S. 186 (S. Vitale 8 ra.)i S. 201 (Garten des Maecenas 9 m.); das. 6. 1878 S. 10 ff. (Piasza di Pietra 3 m.); das. 166 ff. (Via di Face nor 1,60 m., Inschrift a. d. J. 124 n. Chr.); das. 6. 1877 S. 66 (Esquilin 6,66 m.), das. 147 (vor der Porta Latina 2,50 m.); S. 181 (Vicns portae Collinae 5 m.). Einige Vergleichnngen zwischen antiken und jetzigen Höhenmafsen giebt Jordan 1, 1, 132 f. Übrigens war das allmäh- liche Anwachsen des Bodens schon den Alten selbst nicht verborgen, vgl. Frontin. de aquis 1, 18: nam et coUes sensim propter frequentiam incendio- rom exerevemnt rudere. So liegen Pflaster und Fundamente verschiedener Perioden übereinander, wie man das auf dem Forum, Palatin etc. (vgl. Bull. d. comm. 8. 1880 S. 12), namentlich auch an Kirchen wie S. demente u. a. erkennen kann. Aubert Giom. arc. 211 S. 146 giebt die maximale Erhöhung des antiken Bodens auf 10 Meter an. Vgl. Lanciani Monogr. 1, 2 ff.

1) De Rossi spricht (Atti d. acc. pontif. d. Lincei 1870 71 p. 368) von dem im J. 1819 gefundenen (=> G. I. L. VI, 1234a) als dem unico mo- numento di tal genere che sia stato rinvenuto al proprio posto. Der im J. 1872 gefundene C. I. L. VI, 1241b) steht jedenfalls auch bedeutend tiefer als das heutige Niveau und scheint gleichfalls von seiner alten Stelle nicht verrückt zu sein.

2) Hierüber handelt besonders der Brief von L. Bruzza an de Kossi bei diesem a. 0. S. 368 ff. Vgl. den auf dem Boden des alten Emporium 1870 gefundenen Terminalcippus C. I. L. VI, 1234 f.

3) Dieser umstand ist besonders von Aubert a. 0. S. 150 ff. hervor- gehoben.

4) Vgl. V. Moltke a. 0. S. 62: ,^Nur bei sehr niedrigem Wasserstande nämlich kommt die Ausmündung des Abzugskanals nahe anfserhalb Ponte rotte zu Tage. Die mittlere Flut benetzt schon den SchluIjBstein des Ge-

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Aber so sicher man aus diesen Anzeichen auf die Erhöhung des Flufsbettes selbst zurückschlief sen darf ^); so ist doch der Zweifel berechtigt, ob diese Erhöhung des Flufsbettes in demselben Ver- hältnis, d. h. in demselben Grade erfolgt ist, wie die Erhöhung des Stadtbodens und ob demnach nicht doch im Altertum ver- hältnismäfsig der Flufsspiegel höher gelegen hat und somit auch der Stadtboden in höherem Grade Überschwemmungen aus- gesetzt gewesen ist als heute. ^)

Zweitens aber ist anzunehmen, dafs der Tiber bedeutend gröfsere Wassermassen in seinem Bette zum Meere gewälzt hat: und darüber ist an dieser Stelle noch ein Wort zu sagen. In der That stimmen die Geologen darin überein, dem Tiber sowohl grölsere Wassermassen, als was ebenso wichtig ist ein stärkeres Gefälle für die älteste Zeit zuzuweisen. Was den er- steren Punkt betrifft, so erkennt man denselben noch heute klar und deutlich aus der Höhe der Travertinbildung^): vor den Tho- ren sowohl wie innerhalb der Stadtmauern reicht eine, wenn auch nur in einzelnen Parti een und Punkten vorhandene Linie des Tra- vertin bis zu 15 m. über der Thalfläche: bis zu dieser maximalen Höhe müssen also die diluvialen Wasser gereicht haben. Bei einer solchen Wasserhöhe mufste nicht nur der Campus Martins, sondern überhaupt die heutige Stadt überflutet sein, der Capitolin, Aventin und Palatin als Inseln hervorragen, die übrigen Hügel als weit vorspringende Halbinseln und Landzungen erscheinen.'^)

wölbes. Es ist aber durchaus unwahrscheinlich, dals der kunstfertige Er- bauer die Sohle des Kanals tiefer als bis an den gewöhDlichen Wasserspiegel gefuhrt haben sollte". Vgl. Aubert a. 0. S. 149.

1) Der Hauptgrund hierfür wird in der stetigen Schiammansetzung des Tiber bei seinem Ausflusse liegen, wodurch aoch sein Bett sich stetig er- höht hat: vgl. Aubert a. 0. 147 ff. Der alte Hafen von Ostia liegt von der jetzigen Mündung fast 4 Miglien entfernt; die jährliche Anschwemmung schätzt man auf fast 2 Meter. Monografia I, XXXIX.

2) Vgl. V. Moltke a. 0. S. 63: „Bedenkt man, dafs der Tiber von Rom bis zur Mündung bei Fiumiciuo überhaupt nur 20 FuTs Gefälle hat, und da(s dies Gefälle zu keiner Zeit viel weniger betragen konnte, wenn der Flnls nicht aufhören sollte zu fliefsen, so ergiebt sich, dafs das Maximum der Aufdämmung doch nur wenige Fufs, vielleicht gerade die Höhe des Gewölbes der Cloaca betragen kann^S

3) Vgl. vom Rath a. 0. S. 505. Ponzi storia geologica del Tevere S. 20. Storia fisica deir Italia centrale a. 0. S. 211. Brocchi a. 0. S. 85.

4) Vom Rath a. 0. S. 605. Ponzi dei monti Mario e Vaticano in Att. d. R. Acc. d. Lincei 1874—75 S. 554. v. Moltke a. 0. S. 59.

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Was aber den zweiten Punkt, das stärkere Gefalle des Flusses betriffit^ so nehmen die Geologen an, dafs der Boden in späterer Zeit eine abermalige leichte Erhebung durch die noch nicht gänz- lich erloschenen vulkanischen Kräfte erfuhr^), wodurch notwendig der Lauf des unteren Tiber ein langsamerer wurde. Hatte bei einem stärkeren Gefälle namentlich die Enge zwischen Janiculum und Aventinus wiederholt das Wasser zur Stauung und zum Übertreten gebracht*), so mufste nun bei einem langsameren SWmen des Wassers dieses selbst einen bequemeren und nor- maleren Abflufs erhalten. Auch dadurch also mufste sich all- mählich dasjenige Wechselverhältnis zwischen dem Flusse und seinen üferstrecken herausbilden, welches im wesentlichen noch heute vorhanden ist.

Wenn nun diese beiden Momente, die stärkere Wassermasse und die heftigere Stromschnelle, zunächst auch nur für eine Vor- zeit feststehen mögen, so ist es doch anderseits höchst unwahr- scheinlich, dafs der Übergang von jener Periode zu demjenigen Zustande, ivie wir den Flufs noch heute vor uns haben, sich gleichsam mit einem Schlage und fast unvermittelt vollzogen habe.') Im Gegenteil nehmen die Geologen an, dafs dieses Über- gewicht des Flusses, wenn ich mich so ausdrücken darf, noch bis in die historischen Zeiten, wenn auch allmählich mehr und mehr zurücktretend, fortgedauert hat und erkennen in den Teichen und Sümpfen, wie sie sich bis in die historischen Zeiten auf dem Boden der Stadi erhalten haben, mit Recht Residua älterer

1) Vgl. Ponzi 8ix)ria geol. del Tevere S. 20 f. v. Moltke a. 0. S. 68.

2) Vgl. V. Moltke a. 0. S. 67 ff.: „Sowohl ober- als unterhalb Roms üt das Stromthal von einem Thalhang zum anderen durchschnittlich deutsche Meile hreit. Zwischen dem Aventin aber und dem südlichen ^ des Gianicolo, da, wo die jetzige Stadtmauer herabsteigt, treten sich die Hohen aof 1000 Schritt nahe. Hier muTs natürlich jedesmal eine Stauung Btsttfinden, wenn nach heftigen Regengüssen im Gebirge Tiber, Nera, Ve- Hno, Anio, Paglia und so viele andere Zuflüsse ihre schnellen Fluten herab- föbren". Und das. S. 68: „Die Wirkung der Anstauung des Tiber vor Rom hat sich in der Bildung der römischen Hügel deutlich kundgegeben. Von <lem hohen felsigen Gianicolo zurückgewiesen, wälzten sich die Fluten gegen ^ niedrigere linke Ufer**.

3) Ponzi st. geol. d. Teyere S. 21: „ma per quanto vogHa conoedersi ftlla diminuzione delle masse aoquee, al sollevamento del suolo , agV inter- nuDenti delle materie di trasporto, lo socio delle acque non fu istantaneo; ftnzi venne in taluni luoghi ritardato per lunga serie di anni".

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Perioden^), wie denn auch die Tradition einmütig diese Annahme bestätigt*) Das heutige Verhältnis des Tiber zum Boden der Stadt ist ein solches, dafs die jährlichen Überschwemmungen des Flusses regelmäfsig das Marsfeld unter Wasser setzen, die inne- ren Teile der Stadt aber selten erreichen^): wir haben anzu- nehmen, dafs dieser letztere Fall im Altertum bedeutend häufiger eintrat als heute und dafs namentlich auch die Ebene des Forum boarium imd des Velabrum konstanter unter ihnen gelitten haben.*) Was aber die für das Altertum anzunehmenden gröfseren Wassermassen betrifit, so mag zu ihrer Erklärung hier noch auf einen Umstand hingewiesen werden, der auch in anderer Hin- sicht wichtig ist. Es ist anzunehmen, dafs die Hügel, welche später die Stadt trugen, selbst, sowie nicht minder die Ebene der Campagna einst von Wald bedeckt waren. Die Ansicht der Geologen^), wie die Tradition selbst stimmen auch in diesem Punkte wieder überein. Die Sage hebt diese Thatsache nicht nur im allgemeinen hervor, sondern knüpft auch an die einzel-

1) Ponzi a. 0. vom Rath a. 0. 8. 505 f. de Bossi a. 0. 865. y. Moltke a. 0. S. 60ff.

2) Hierauf wird im Einzebien zurückzukommen sein: es sei daher hier nur an die Sage von der Aussetzung des Romulus und Hemus erinnert, welche das Hereintreten des Tiber bis weit in das Innere der Stadt zar Voraussetzung hat.

3) Die Höhen älterer Überschwemmungen finden sich bei Brocchi a. 0. S. 214 verzeichnet Über diejenigen der neueren Zeit vgl. die Efe- meridi von Betocchi, der die Statistik einzelner Jahre, sowie einzelner Über- schwemmungen aufstellt: so vom J. 1869. Atti d. acc. reale dei Lincei 1870—71 S. 49 flF.; 1870 das. S. 221 ff.; 1874 das. 1874—75 S. 532 ff.; von der Zeit 1862—70 das. S. 262 ff.; von der Überschwemmung im Dezember 1870 das. S. 121 ff., im Jannar 1871 das. S. 169 ff. Vgl. v. Moltke a. O. S. 56 f.: „Im Jahre 1598 erhob sich binnen kurzer Zeit der Spiegel des Tiber um 327, FuTs. Oar nicht selten überschwemmt er plötzlich alle Gärten und Weinberge vom Fufs des Monte Mario bis zur Stralse nach Ponte Molle und noch im Jahre 1846 stand das Wasser in der Stadt selbst bis nahe an den Spanischen Platz**.

4) Vgl. de Rossi a. 0. 378 ff.

5) Vom Rath sagt hierüber a. 0. S. 507: „In einem gebirgigen Lande alter Kultur wie Italien, wo seit den ältesten Zeiten die Oberfläche der mittleren Berglehnen für die Bebauung gelockert und Kämme der Gebirge entwaldet sind, erreicht die stetige Erhöhung der Thalflur und der Ebenen einen viel bedeutenderen Grad, als in unsem nördlichen Ländern, wo der Mensch erst spät und bei weitem nicht in dem Ma&e die Erdoberfläche ihrer naturlichen Pflanzendecke beraubte**.

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nen Haine und Bäume^ wie dieselben später noch an den ver- seliiedensten Teilen der Stadt sich befanden, an, um in ihnen die Reste der alten Wälder wieder za erkennen.^) Mit diesem Um- stände ist aber ein weiterer unmittelbar verbunden. Wald und Wasser stehen in direkter Wechselbeziehung: wo Wald ist, ist auch Wasser und die bewaldeten Höhen und £benen des Stadt- bodens, wie der ganzen Campagna sind nicht ohne zahlreiche QaeUen und Bäche zu denken. Auch das hebt die Sage bestimmt hervor und die Forschung bestätigt sie hierin.*) Alle Anzeichen sprechen demnach dafür, dals in einer Urzeit sowohl, wie in den alteren Zeiten der Stadt selbst Wald und Wasser eine unendlich wichtigere Stelle unter den Bildungsfaktoren der Xandschaft ein- genommen haben und dafs die Wichtigkeit dieses doppelten Mo- ments erst sehr allmählich mehr und mehr zurückgetreten ist. Auf diesen sehr wesentlichen Unterschied in Bezug auf Wald ond Wasser in der älteren und in der späteren Zeit ist ohne Zweifel auch der Umstand zurückzuführen, dafs das Elima stetig an Gesundheit verloren hat Denn obgleich schon die Alten selbst wiederholt hervorheben, dafs ihre Stadt nicht zu den ge- sundesten gehöre^), so deutet doch andererseits nichts darauf hin,

1) Die einzelnen Angaben der Tradition fafst v. Moltke a. 0. S. 66 ff. za einer sehr anBchanlichen Schilderung des AnesehenB der Stadt resp. der Gegend, wo dieselbe sich später erhob, znsammen. „Soviel steht fest, dafs Jahrhunderte später, als Born schon alle Hfigel bedeckte, seine Maaem noch weite Felder nnd Haine nmschlossen, welche den Göttern geweiht, von der Axt verschont blieben. Es waren die Überbleibsel jenes ursprünglichen Waldes/* Jordan 1, 1, 146 Anm. 89 zählt eine Reihe dieser lud auf, auf die an den betr. Stellen näher einzugehen ist. Welche Baumarten hier be- sonders in Betracht kommen, giebt v. Moltke a. 0. S. 68 ff. an.

2) Eine grofse Zahl von Quellen und Bächen nennt die Sage und der Kult auf dem Boden der Stadt Rom, die jetzt verschwunden oder auf das dürftigste Mals beschränkt sind: vgl. darüber im einzelnen gleichÜEdls später. Zu beachten ist auch der Kult der Quell- und Waldgötter, wie wir ihn in vielfacher Wiederholung in Rom finden. Vgl. Jordan 1, 1, 139 f. v. Moltke sagt a. 0. S. 87: „Seitdem die Waldgötter aus den schauerlichen Hainen vertrieben, sind auch die N%jaden aus ihren Grotten verscheucht. Der Wftsserreichtam der Quellen hat sich vermindert imd der Tau senkt sich sjArlicher auf die von der Sonne verbrannten Fluren**.

8) Diese Ajigaben beziehen sich freilich zunächst auf die Umgebung der Stadt, während diese selbst der direkte Tadel nicht trifft: vgl. Cic. de rep. 2, 6 locnmque delegit et fontibus abundantem et in regione pestilenti salabrem: collea enim sunt qui cum perflantnr ipsi tum afferunt vallibus

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dafs damals schon ebenso wie heute eine nie ganz verschwin dende und in jedem Hochsommer an Intensivität zunehmend( Fieberluft die Bewohner der Stadt zur Flucht zwange oder, wem dieses nicht möglich war, massenweise danieder warf.*) Wem also auch kein wesentlicher Temperaturunterschied gegen heut< für die ältere Zeit anzunehmen ist^), so mufs, wie bemerkt, dat Vorherrschen von Wald und Wasser, sowie nicht minder die intensivere Kultur des Landes und das wirkliche Bewohntseil aller der später und jetzt zu grofsen Teilen verödet stehenden Hügel und Räume die Stadt zu einer wesentlich gesunderen ge- macht haben, als sie heute ist.^)

Die Sage läfst die Stadt aus sehr geringen Anfangen ent- stehen. Und in der That: wer in Rom die sich drängende Nähe der Stadthügel, die engen Grenzen der Mauern der palatinischen Burg, die geringen Umfönge der nachweisbar ältesten Quartiere

umbram; Liv. 7, 38 in pestilenti atqne arido circa nrbem solo. Aber An- gaben wie Horat. epp. 1, 7, 6 ff. sat. 2, 6, 18 ff. Od. 2, 14, 16 f. luven. 4, 66 zeigen, dafs im Sommer eine Fieberlnft anch in Rom selbst herrschte. Und der Preis der gesunden Stadt von Seiten des Camillus bei Liy. 6, 54 (sa- lubenimos coUes) kommt als rhetorisches imd tendenziöses Machwerk kaum in Betracht. Es kann aber auch nicht ohne Bedeutung sein, dafs Altäre der Febris schon auf allen drei Hügeln des ältesten Borns, dem Palatinufl, dem £squilinos und Quirinalis standen, vgl. Valer. Max. 2, 6, 6.

1) Vgl. Jordan 1, 1, 143 f. und die daselbst Anm. 36 ang^efubrte Litteratnr.

2) Über das heutige Klima Roms in Vergleich zu dem der alten Zeit handeln Brocchi a. 0. S. 215 ff., so¥rie Seochi clima di Borna Giom. arc. 1864. Bd. 187 S. 113 130. Letzterer führt den Durchschnitt der Maxims uud Minima des Barometers and des Thermometers sowie der Regenmassen von 80 Jahren an; über die Winde vgl. denselben Bd. 191 S. 222 ff. Da- nach Jordan a. 0. 1, 1^ 140 ff. Theob. Fischer stellt in seinen Studien über das Klima der Mittelmeerländer (Petermanns Ergänzungsheft Nr. 58) S.